Wissenswertes
Die Mannheimer Quadrate erklärt
Warum die Innenstadt keine Straßennamen kennt, sondern nach Buchstaben und Zahlen sortiert ist - und was der Schachbrett-Grundriss mit einer Festung zu tun hat.
Mannheim gilt als eine der wenigen deutschen Städte, in denen die Innenstadt nicht nach Straßennamen, sondern nach einem Raster benannt ist. Adressen heißen hier C1, Q7 oder U5 - ein Buchstabe und eine Zahl statt "Hauptstraße 12". Wer zum ersten Mal in der Stadt ist, braucht kurz, um sich in dieser Systematik zurechtzufinden.
Der Ursprung liegt im 17. Jahrhundert. 1607 verlieh Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz der Siedlung die Stadtrechte, angelegt gemeinsam mit der Festung Friedrichsburg. Die Bürgerstadt und die Festung wurden nach einem streng geometrischen Plan gebaut: rechtwinklige Blocks, klare Achsen, alles im rechten Winkel zueinander. Aus diesem Planungsideal entstand das Netz der Quadrate, das der Innenstadt bis heute den Beinamen "Quadratestadt" gibt.
Die Zählung geht vom Schloss aus: Links der Mittelachse tragen die Quadrate die Buchstaben A bis K, rechts L bis U. Die angehängte Zahl beschreibt die Position innerhalb des Blocks. So ergibt sich für jedes Gebäude eine eindeutige Kennung, ganz ohne klassischen Straßennamen. Für Ortsfremde ungewohnt, für die Orientierung im Raster aber erstaunlich logisch.
Der Grundriss überstand Kriege, Wiederaufbau und moderne Stadtplanung. Wer heute durch die Quadrate läuft, bewegt sich noch immer entlang der Linien, die vor über 400 Jahren gezogen wurden.